Horst Bredekamp: Galileo und das Zusammenspiel von Licht und Schmutz

Vortrag

Begleitprogramm zur Ausstellung NEWTON | GOETHE | GALILEO – Reflexionen von Mischa Kuball

Ausgangspunkt ist das in der Ausstellung präsentierte Werk five suns / after Galileo aus der Schnetkamp Collection Düsseldorf, das sich auf Galileo Galileis Beobachtungen der Sonnenflecken bezieht und deren bildwissenschaftliche und erkenntnistheoretische Dimension künstlerisch reflektiert.

Im Zentrum des Vortrags steht Galileo Galileis Entdeckung und Interpretation der Sonnenflecken zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Horst Bredekamp untersucht, wie Galileo mithilfe des Fernrohrs nicht nur neue astronomische Phänomene sichtbar machte, sondern zugleich die traditionellen Vorstellungen von Reinheit und Vollkommenheit des Himmels erschütterte. Die Sonnenflecken erschienen als „Schmutz“ auf dem bis dahin als makellos gedachten Sonnenkörper und eröffneten damit einen grundlegenden Wandel im Verständnis von Natur und Kosmos.

Der Vortrag zeigt, dass Galileos Beobachtungen weit über die Astronomie hinausreichen: Sie markieren einen epistemischen Umbruch, in dem Sehen, Zeichnen und wissenschaftliche Erkenntnis untrennbar miteinander verbunden werden. Bredekamp analysiert insbesondere die Rolle der Bilder und Skizzen Galileis, die nicht bloße Illustrationen, sondern eigenständige Erkenntnisinstrumente darstellen. Licht und Schmutz werden dabei zu komplementären Kategorien einer neuen Wissenschaftlichkeit, in der Sichtbarkeit erst durch Unregelmäßigkeit und Materialität entsteht.

Durch die Verbindung von Kunstgeschichte, Wissenschaftsgeschichte und Bildtheorie eröffnet der Vortrag eine neue Perspektive auf Galileo als Denker der visuellen Moderne und auf die produktive Spannung zwischen ästhetischer Wahrnehmung und wissenschaftlicher Beobachtung.

© Barbara Herrenkind

Horst Bredekamp (*1947 in Kiel) zählt zu den bedeutendsten Kunsthistorikern und Bildtheoretikern der Gegenwart. Er studierte Kunstgeschichte, Philosophie, Archäologie und Soziologie in Kiel, München, Berlin und Marburg, wo er 1974 promoviert wurde. Nach seiner Lehrtätigkeit an der Universität Hamburg ist er seit 1993 Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin, wo er seit 2019 zudem als Seniorsprecher des Exzellenzclusters „Matters of Activity“ tätig ist.

Bekannt wurde Bredekamp vor allem durch seine Arbeiten zur Bildwissenschaft, die die kognitive, politische und kulturelle Funktion von Bildern untersucht. Seine Forschungen reichen von mittelalterlicher und Renaissancekunst über politische Ikonographie bis hin zu den Beziehungen zwischen Kunst, Wissenschaft und Technologie. Er leitete bedeutende interdisziplinäre Projekte wie „The Technical Image“ und war an der Gründung des Humboldt Forums beteiligt.

Zu seinen bekanntesten Werken zählen Studien über Michelangelo, Galileo Galilei und die visuelle Kultur der Renaissance. Im Laufe seiner Karriere erhielt er zahlreiche internationale Auszeichnungen, darunter den Aby-Warburg-Preis und den Verdienstorden der Italienischen Republik.

Der Vortrag findet in italienischer Sprache statt, der Text steht auch in deutscher Sprache zur Verfügung. 

Eintritt frei, ohne Voranmeldung

 

In Zusammenarbeit mit

Foto: Mischa Kuball: five suns / after Galileo, Schnetkamp Collection Düsseldorf © Andrea Veneri