
Welche Bücher lasen die deutschen Künstler in Rom? Woher bezogen sie ihr Wissen, welche Ideen prägten ihr Denken – und welche Rolle spielten Bibliotheken für das intellektuelle Leben der deutschen Künstlergemeinschaft?
Mit ihrem Band „Die Bibliotheken für deutsche Künstler in Rom 1795–1900. Geschichte, Bestände, Wissensgeschichte“ legen Ulf Dingerdissen und Michael Thimann erstmals eine umfassende Untersuchung dieser Bibliotheken vor. Zwischen 1795 und 1845 entstanden in Rom insgesamt vier Bibliotheken, die den deutschen Künstlern als Orte des Lesens, des Austauschs und der intellektuellen Vernetzung dienten.
Den Anfang machte Carl Ludwig Fernow 1795 mit einer Lesebibliothek im Zusammenhang mit seinen Vorlesungen über die Philosophie Kants. 1821 wurde auf Initiative des preußischen Diplomaten Christian Carl Josias Bunsen und des Malers Johann David Passavant auf dem Kapitol die Bibliothek der Deutschen gegründet. 1832 entstand unter der Schirmherrschaft König Ludwigs I. von Bayern auf der Villa Malta die Bibliothek der Deutschen Künstler. Ab 1845 baute schließlich der Deutsche Künstlerverein in Rom eine eigene Bibliothek für seine Mitglieder auf.
Die Autoren erschließen die Bestände dieser Bibliotheken und untersuchen ihre Bedeutung aus wissens- und konstellationsgeschichtlicher Perspektive. Auf breiter Quellenbasis rekonstruieren sie das Leseverhalten der deutschen Künstler, die Organisation ihres intellektuellen Lebens sowie den Austausch philosophischer, religiöser und kunsttheoretischer Ideen innerhalb der römischen Künstlergemeinschaft.
Ulf Dingerdissen und Michael Thimann stellen den Band im Gespräch vor und geben Einblicke in die Geschichte der Bibliotheken, ihre Bestände und ihre Bedeutung für die Wissensgeschichte der deutschen Künstler in Rom.
Ulf Dingerdissen studierte Sprachen-, Wirtschafts- und Kulturraumstudien mit Schwerpunkt auf dem deutschsprachigen Kulturraum sowie Kunstgeschichte, Geographie und Europäische Ethnologie an der Universität Passau. In seiner Magisterarbeit und Dissertation beschäftigte er sich mit Bildkonzepten der Romantik. Nach seiner Tätigkeit in der Photothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Göttingen in Forschung und Lehre tätig. Dort arbeitete er insbesondere an dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsprojekt Künstlerwissen und Künstlerlektüre im Rom des 19. Jahrhunderts. Die Bibliothek des Deutschen Künstlervereins und ihr wissensgeschichtlicher Kontext, das in Kooperation mit der Casa di Goethe in Rom durchgeführt wurde. Seit 2023 ist er Kurator für die Kunst des 19. Jahrhunderts am Museum Georg Schäfer in Schweinfurt.
Michael Thimann studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie, Frühchristliche Archäologie und Deutsche Literaturwissenschaft in Kiel, Würzburg, Bologna und Berlin. Nach seiner Promotion war er unter anderem an den Staatlichen Museen zu Berlin, der Freien Universität Berlin und am Kunsthistorischen Institut in Florenz – Max-Planck-Institut tätig, wo er ab 2006 eine eigene Nachwuchsgruppe leitete. 2008 habilitierte er sich an der Universität Basel. Nach Professuren in Passau und Göttingen ist er seit 2012 Professor für Kunstgeschichte an der Georg-August-Universität Göttingen. Seit 2021 ist er Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des 19. Jahrhunderts. Im Januar 2026 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen gewählt.
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