




Musik von E. W. Korngold, F. Hensel Mendelssohn, M. Weinberg, V. Ullmann, R. Kahn, ausgeführt von Dozent*innen und Student*innen des Konservatoriums „Santa Cecilia” Rom, künstlerische Leitung: M. Barbara Ferrara
Grußworte:
Andreas Krüger, Leiter der Kulturabteilung der Deutschen Botschaft Rom
Pino Pelloni, Fondazione Giuseppe Levi Pelloni
Musikalische Einführung: Barbara Ferrara, Conservatorio di Musica „Santa Cecilia“ Rom
Für mich war und bleibt Theresienstadt eine Schule der Form. Vorher konnte man das Gewicht und die Substanz der Form nicht spüren, weil sie vom Alltag verdrängt wurden. Hier, wo die Substanz der Form unterliegen muss, wo alles Materielle in Geist verwandelt werden muss… — Viktor Ullmann, Goethe und das Ghetto (1944)
Was bleibt übrig, wenn alles Menschliche verloren geht? Musik war im Kontext der Shoah nicht nur eine Chronik des Schmerzes, sondern auch ein Mittel zur metaphysischen Verwandlung. Dieses Konzertprogramm untersucht das von Viktor Ullmann erwähnte Konzept der „Form“: die Fähigkeit der Kunst, das brutale Chaos der Realität zu nehmen und es in etwas Ewiges, Universelles und zutiefst Spirituelles zu verwandeln. Das Programm folgt keinem rein chronologischen Ablauf, sondern bewegt sich über Analogien. Es zeigt, wie die Musik dazu diente, die Würde des Menschen über den Stacheldraht hinaus zu projizieren und materielle Entbehrung in unzerstörbaren inneren Reichtum zu verwandeln.
Der Dialog zwischen den Werken, die in der Stille der Lager und anderswo komponiert wurden, und die Sensibilität zeitgenössischer Ausdrucksformen machen das Konzert zu einem Raum abstrakter, sehr kraftvoller Reflexion. Die Musik fungiert hier als Brücke: Sie führt den Zuhörer vom Besonderen der historischen Tragödie zum Universellen der menschlichen Existenz. Es handelt sich nicht nur um eine Übung der Erinnerung, sondern um eine Erfahrung klanglicher Wachsamkeit. In einer Welt, die dazu neigt zu vergessen, werden diese Noten zu Spuren einer unvollendeten Geschichte, die weiterhin Fragen aufwirft und zeigt, dass Schönheit – wenn sie aus Strenge und Leid entsteht – kein Schmuck ist, sondern die letzte, höchste Form der Wahrheit.
Programm:
E. W. Korngold
My Mistress Eyes
F. Hensel Mendelssohn
Adagio per violino e pianoforte in Mi maggiore H72
M. Weinberg
Zwei Lieder Op. 13 su testi di J. L. Perez für Gesang und Klavier Trio
V. Ullmann
Drei Jiddische Lieder (Brezulinka) Op. 53:
Berjoskele
Margarithelech
A Meidel in die Johren
F. Hensel Mendelssohn
Fantasia per Violoncello e Pianoforte in Sol minore
R. Kahn
Sieben Lieder aus “Jungbrunnen” von Paul Heyse:
Nun stehn die Rosen Blüte
Mein Herzblut geht in Sprüngen
Waldesnacht, du wnderkühle
Wie bin ich nun in kühler Nacht
Wie trag‘ ich doch in Sinne
In der Mondnacht
Es geht ein Wehen durch den Wald
Ausführende:
Eero Lasorla – Tenor
Der finnische Tenor Eero Lasorla kann auf eine hervorragende internationale Ausbildung zurückblicken, die er nach seinem Studium in Tampere mit einem Abschluss mit Auszeichnung in Kammermusik am Konservatorium „Santa Cecilia” in Rom krönte. Seine Karriere zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Vielseitigkeit aus, die vom Opernrepertoire über Lieder bis hin zu Chormusik reicht.
In Finnland spielte er ikonische Rollen wie Tony in West Side Story, Tom Rakewell in The Rake’s Progress und den Soldaten in L’Histoire du soldat. Zuletzt stand er in Helsinki als Jonathan Persson in Kung Karls Jakt und im Teatro Parvum in Alessandria in der Rolle des Nemorino (L’elisir d’amore) auf der Bühne. Bemerkenswert sind seine Erfahrungen beim Savonlinna Opera Festival und seine Zusammenarbeit mit renommierten Chören wie dem Chorus Cathedralis Aboensis. Seit 2024 ist er festes Mitglied des Chores der Flämischen Oper und des Balletts (OBV) in Belgien.
Als großer Interpret der Kammermusik trat er bei Festivals wie Liszt and Friends und dem Sibelius Festival auf. Sein Engagement für die finnische Musik zeigt sich in der Veröffentlichung (LIM/Ricordi, 2020) des Bandes Jean Sibelius Lieder, der in Zusammenarbeit mit Marina Cesarale entstanden ist und das gesamte Liedwerk des Komponisten sammelt und übersetzt.
Gabriele Valabrega – Violine
Gabriele Valabrega wurde 2006 geboren und wuchs in einem kunstbegeisterten familiären Umfeld auf. Im Alter von nur sieben Jahren begann er unter der Leitung von Maestro Ann Stupay mit dem Violinunterricht. Seine Ausbildung festigte er am Centro Sperimentale di Musica per l’Infanzia (Cesmi) in Rom, wo er sich schnell sowohl als Solist als auch in Orchesterformationen hervorgetan hat und 2018 den ersten Preis beim nationalen Wettbewerb „Giovani Musici” gewann.
Sein Talent wurde durch zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigt, darunter die Diplome mit Auszeichnung beim Wettbewerb „Chroma”, der erste Preis beim nationalen Suzuki-Wettbewerb in Viterbo (wo er als Solist in Vivaldis Konzert in a-Moll auftrat) und der erste Preis beim 11. internationalen Wettbewerb „Città di Filadelfia”. Er hat die ABRSM-Zertifizierungen mit der höchsten Punktzahl erhalten und seine Technik in Polen bei den renommierten Zenon Brweski International Music Courses mit Helen Brunner perfektioniert.
Im Jahr 2019 triumphierte er beim Wettbewerb „Giovani Musici” sowohl in der Kategorie Solisten als auch in der Kategorie Kammermusik. Derzeit setzt er seine akademische Laufbahn am Konservatorium „Santa Cecilia” in Rom in der Klasse von Prof. Liliana Bernard fort und hat sich als einer der vielversprechendsten Vertreter der neuen Generation von Geigern etabliert.
Marina Cesarale – Klavier
Die Pianistin Marina Cesarale schloss ihr Studium am Konservatorium „Santa Cecilia” in Rom mit Auszeichnung ab und vervollkommnete anschließend ihre Ausbildung bei weltbekannten Meistern wie Petroushanskij, Magaloff und Masi. Darüber hinaus spezialisierte sie sich in Wien bei Charles Spencer auf Liedgesang. Ihre Karriere ist geprägt von prestigeträchtigen institutionellen Auftritten, wie beispielsweise der Einladung von Präsident Giorgio Napolitano, anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Einheit Italiens für die RAI zu spielen.
Als geschätzte Wissenschaftlerin und Interpretin arbeitet sie mit IBIMUS und ISMEO zusammen, um unveröffentlichte Stücke der Vokalkammermusik wiederaufleben zu lassen. Im Jahr 2025 leitete sie ein Seminar über Robert Kahn am Konservatorium „Santa Cecilia”. Seit 2020 ist sie Mitglied des künstlerischen Komitees der Sibelius Society Italia, für die sie bedeutende Konzerte gegeben hat, darunter Duette mit der Geigerin Satu Jalas (Enkelin von Sibelius) und Kooperationen mit dem Tenor Eero Lasorla.
Zusammen mit Lasorla veröffentlichte sie bei LIM/Ricordi den ersten italienischen Aufsatz über das Gesamtwerk der Lieder von Sibelius, für den sie die Übersetzungen und Analysen übernahm. Auch im Rundfunkbereich tätig, hat sie für Radio Vaticana mit Erica Piccotti und David Greiner Aufnahmen gemacht und dabei anspruchsvolle Repertoires wie die „Entartete Musik” erkundet. Ihre Tätigkeit verbindet musikwissenschaftliche Strenge mit einem tiefen Engagement für die Verbreitung der mitteleuropäischen und skandinavischen Musikkultur.
Mathilda Overlöper – Violoncello
Mathilda Overlöper wuchs in Bochum auf und zog 2022 nach Bremen, um an der Hochschule Bremen bei Kilian Fröhlich Violoncello zu studieren. Derzeit befindet sie sich für ein Erasmus-Semester in Rom am Konservatorium Santa Cecilia, wo sie Kammermusik in der Klasse von M. Barbara Ferrara studiert. Seit ihrem siebten Lebensjahr liebt Mathilda die Kammermusik und hat darin ihre Leidenschaft gefunden. Ebenso wie im Orchester, wo sie mit dem Publikum bewegende Momente erleben kann.
Bilder: Erich Wolfgang Korngold (Georg Fayer, PDM), Fanny Hensel, (Moritz Daniel Oppenheim, 1842, PDM), Viktor Ullmann (PDM), Robert Kahn (PDM)
In Zusammenarbeit mit dem Conservatorio di Musica „Santa Cecilia“ Rom


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