Dauerausstellung

Wechselausstellung

in der Casa di Goethe

Eröffnung am 28. Oktober 2022

REISE NACH ITALIEN XXI – Der Blick auf den Anderen

Die Ausstellung präsentiert und kreuzt Perspektiven auf die italienische Gegenwart von acht Künstlerinnen und Künstlern, die in Italien oder Deutschland tätig sind

Kuratiert von Ludovico Pratesi

Guido Casaretto, Crossing Carnevale (Video, 15 min, 2019) © by the artist

REISE NACH ITALIEN XXI setzt sich mit der Gegenwart des Reisens nach Italien auseinander, dessen Charakter sich seit Goethes Zeit grundlegend verändert hat. Aber es gibt auch heute noch Gemeinsamkeiten:  Immer noch bringt eine Reise die Auseinandersetzung mit etwas Neuem mit sich, mit etwas Anderem. Und Reisen bedeutet auch heute noch die Konfrontation der eigenen Vorstellung mit der Realität. Die Ausstellung präsentiert und kreuzt Perspektiven von Künstler*Innen, die in Italien und Deutschland arbeiten. Dabei untersucht sie den Zustand der italienischen und deutschen Gegenwart in einem krisengeschüttelten Europa. Die übernationalen Beziehungen sind zuletzt sehr komplex geworden und häufig stehen Themen wie Migration, Gender, Klimawandel, Identität von Minderheiten, Populismus oder die Folgen der Pandemie im Zentrum künstlerischen Schaffens.  

In der globalen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts ist das Thema der Beziehung zu „Anderen“ entscheidend und akut geworden. Der Ausnahmezustand scheint zu einer Art von halluzinierender Normalität geworden zu sein. Wie geht jeder von uns mit der Notwendigkeit um, Beziehungen zu Menschen aufzubauen, die anders sind als wir selbst? Und welches Bewusstsein verbirgt sich dahinter? Jede/r Künstler*In wird eingeladen, in der Ausstellung mit einem Kunstwerk auf die Frage zu antworten: Wie stehen wir und die Gesellschaft zur/m Anderen?  Der Blick auf ein Gegenüber – heute und gestern – wird hier zum roten Faden einer Erzählung in einer europäischen Gegenwart voller Widersprüche und Brüche.

Die eingeladenen Künstler*Innen sind Francesco Arena, Guido Casaretto, Johanna Diehl, Esra Ersen, Silvia Giambrone, Benedikt Hipp, Christian Jankowski und Alessandro Piangiamore.

DIE KÜNSTLER*INNEN

Francesco Arena (Brindisi, Italien 1978)

Die künstlerische Arbeit des Künstlers folgt meist zwei Spuren: die der kollektiven – vor allem der nationalen – Erzählung und die des individuellen Narrativs. Diese bilden zwei Linien, die sich berühren und überschneiden. In den Performances, Installationen und Skulpturen bekommen die Werke ihre Form meist durch den Prozess. Dabei arbeitet Arena oft mit Alltagsgegenständen wie Tagebüchern, Wohnzimmermöbeln, Zigarren aber auch mit traditionellen skulpturalen Materialien wie Marmor, Schiefer oder Bronze.

Arena hat im MAXXI in Rom, im MADRE in Neapel und auf der Biennale von Venedig (2013) ausgestellt.

Guido Casaretto (Istanbul, Türkei 1981)

Guido Casaretto rekonstruiert Objekte und Prozesse. Durch Auswahl und neue Kombinationen kreiert er eine Art Hyperrealität, die das Original letztendlich verdeckt. In seinen Installationen, Skulpturen und Videoarbeiten hinterfragt er kulturelle Zuschreibungen und die Repräsentation von Subjekten als dynamische Systeme zwischen Imagination und Realität.

Casaretto hat u.a. im MOCAK – Museum für zeitgenössische Kunst in Krakau und auf der Melbourne Triennial ausgestellt.

Johanna Diehl (Hamburg, Deutschland 1977)

Johanna Diehl erforscht in ihren Arbeiten immer wieder, was sich in den dunklen und vernachlässigten Nischen unseres kollektiven und kulturellen Gedächtnisses versteckt. Sie interessiert sich für Überschreibungen von Erinnerungen und das Sichtbarmachen des Abwesenden. Somit verhandelt sie in ihren Fotografien und Installationen die Grundlage von Identitäten und konstruierten Räumen in der Gegenwart.

Diehl hat u.a. in den Deichtorhallen in Hamburg, dem Haus am Waldsee in Berlin oder dem Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück ausgestellt. Im Jahr 2016 war sie Stipendiatin der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo (Casa Baldi).

Esra Ersen (Ankara, Türkei, 1970)

Esra Ersen befasst sich mit der Vielfalt und Identität von Gesellschaften und Individuen. Dabei konzentriert sie sich häufig auf alltägliche Situationen wie Sprache, Verhalten, oder soziale Interaktion und arbeitet deren mögliche übergeordnete Bedeutungen vor. Ihre Videoarbeiten, Fotografien und Installationen sind eine Analyse gesellschaftlicher Situationen im Kontext von nationalen Kulturen, historischen Perspektiven und Mythen.

Ersen hat u.a. im Frankfurter Kunstverein und auf den Biennalen von Istanbul, Sao Paulo, Liverpool, Gwangju und Manifesta 4 ausgestellt. 2019 war sie Rompreistägerin der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo.  

Silvia Giambrone (Agrigent, Italien 1978)

Mithilfe verschiedener Ausdrucksmittel wie Performance, Installation, Skulptur, Sound oder Video, erforscht Giambrone die Praktiken und Theorien von Körperlichkeit mit besonderem Augenmerk auf die verborgenen Formen von Rollenbildern. Dabei befasst sie auch sich mit der politischen Dimension von Intimität, als Grundlage für menschliches Verhalten.

Giambrone hat in verschiedenen italienischen Museen ausgestellt, wie dem MAXXI in Rom, dem Museo del Novecento in Florenz und dem MART in Rovereto.

Benedikt Hipp (München, Deutschland 1977)

In seinen Gemälden, Skulpturen und Installationen setzt sich Hipps Werk mit zeitgenössischen Konzepten und Bildern von Individualität, Identität und Autonomie des Subjekts innerhalb der Gesellschaft auseinander. Dabei ist immer wieder der Körper und dessen Rolle im Raum ein Ausgangspunkt seiner Werke.

Werke von Benedikt Hipp waren in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen ausgestellt, wie z.B. im Haus der Kunst München, der Schirn Kunsthalle Frankfurt, dem CAPC Bordeaux, oder dem Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen. Im Jahr 2020/21 lebte und arbeite er als Träger des Rompreises in der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom.

Christian Jankowski (Göttingen, Deutschland 1968)

Christian Jankowski untersucht soziale Konstellationen, Geschichtsbilder und politische Realitäten mit den Ausdrucksmitteln der Kunst. Seine Werke sind somit fast immer „Performances“ – sowohl im wörtlichen als auch im formalen Sinne – und seine Installationen und interaktiven Rollenspiele beziehen häufig ahnungslose Protagonisten wie Fernsehprediger, Wahrsager, Grenzwächter oder sogar professionelle Zauberer ein.

Jankowski war 2016 Kurator der Manifesta und hat in mehreren internationalen Museen wie dem Kunsthaus Hamburg, dem Kunstmuseum Stuttgart und MACRO in Rom ausgestellt. Er hat an den Biennalen von Venedig, Taipeh und Sydney sowie an der Whitney Biennial mitgewirkt.

Alessandro Piangiamore (Enna, Italien 1976)

Alessandro Piangiamore ist fasziniert von den Schwingungen der Materie und den permanenten Bewegungen in der Natur. Mithilfe der Gegensätze von Immateriellem und Material, Künstlichem und Natürlichem, starren und weichen Materialien gelingt es dem Künstler in seinen Skulpturen und Installationen, Unmittelbarkeit und flüchtige Eindrücke zu vermitteln.

Piangiamore hat u.a. im GNAM, im MACRO in Rom sowie im Palais de Tokyo in Paris ausgestellt. 2019 nahm er an einer Gruppenausstellung in der Pinault Foundation in Venedig teil.